Mitko hat sich abgesetzt

#outofoffice

Menschen, die noch nie in Geschäftslokalen gearbeitet haben, fragen sich ja oft, ob man sich da nicht beobachtet fühlt. Spätestens seit eben der ältere Herr hier völlig ungeniert seine Unterhosen runtergelassen hat, um etwas darin zu richten, kann ich euch sagen: Es ist genau umgekehrt.

Geschichten aus dem Schaufenster. 

Als Bulgare wird man ja nicht abgeschoben. Oder?

Selbstverständlich engagiere ich für das Büro eine offizielle Reininungsfirma die angestellte Putzkräfte vermittelt. Aber Mitko war sehr hartnäckig.
Er putze diese Fenster schon seit Jahren, erklärte er, beim alten Chef, beim Chef davor, also müsse er das jetzt auch beim neuen Chef machen.

Ok, wir wurden uns irgendwann einig. Sein Werkzeug war schon etwas in die Jahre gekommen, die Fenster waren nach dem Putzen nicht immer sauberer als davor. Aber wir kamen klar miteinander.

Dann brauchte Mitko Geld. Erst war seine Frau krank – er brauchte den doppelten Lohn und wollte das überschüssige Geld beim nächsten Mal abarbeiten. Dann war es ein Vorschuss für die Stromrechnung. Ein Busticket für eine dringend notwendig gewordene Heimreise nach Bulgarien. Eine kranke Mutter. Eine verstorbene Mutter. Noch eine Heimreise. Ich bin mir nicht ganz sicher, Mitko sprach immer aufgeregt und undeutlich in schlechtem Deutsch, aber ich glaube, die Mutter war zwischendurch wieder auferstanden und noch einmal krank.
Wir waren mittlerweile bei Packagedeals – vier Mal zahlen bei Vorkasse ist fünf Mal putzen –, aber wir kamen sowieso nie wieder auf gleich.
Je tiefer Mitko in der Kreide stand, desto seltener kam er.
Die letzten 30 Euro sind noch offen.
Mit denen hat Mitko sich abgesetzt.

Als Bulgare wird man ja nicht abgeschoben. Oder?

Magazin für Menschen, die keines mehr möchten.

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