Ich kann den Emo-Müll nicht mehr sehen

Ich kann den Emo-Müll nicht mehr sehen

Action-Feelgood-Emotionskram ist heute für mich jedenfalls Schweißfüße und Knoblauchfahne einer Marke: ein deutliches Zeichen, Abstand zu halten.

Kinderaugen, größere Kinderaugen, vergessene Teddybären, Nonnen, alte Nonnen, uralte Nonnen, sehr dicke Menschen, sehr dünne Menschen, Zahnspangen- und Brillenträger, Babykatzen, Kulleraugenzeichentrickfiguren, alle werden zu Helden. Nicht etwa, weil sie etwas Großartiges auf die Reihe kriegen. Nein, sie machen langweiligen Alltagskram, verwandeln sich dabei in abgefahrene Superhelden und werden von allen Gaffern rundherum abgefeiert und bejubelt.

Es war ja nur eine Frage der Zeit. Eine Generation, die mit Emotion, Storytelling, Entertainment-Overkill und der ständigen Angst vor Überlastung von der ersten Vorschulklasse weg groß geworden ist, kommt in der Kommunikationsbranche an die Drücker und macht Werbung für eine Generation, die von ihnen schon gelernt hat, dass die Welt Kacke ist, wenn man sie sich nicht schön lügt.
Und weil trotzdem nicht alle Hand in Hand mit Regenbögen kotzenden Einhörnern über immerbunte Blumenwiesen laufen, muss das eben so lange dargestellt werden, bis nichts anderes mehr zu sehen ist.

Kampagnen, die an der Realität anknüpfen, diese weiterspinnen, eine Idee weiterentwickeln, Neues in die Welt bringen, oder auch nur dazu geeignet wären, Neues zu begleiten – ich seh das nicht mehr.

Und nein, früher war nicht alles besser. Da konnte man sich über anderes aufregen. Action-Feelgood-Emotionskram ist heute für mich jedenfalls Schweißfüße und Knoblauchfahne einer Marke: ein deutliches Zeichen, Abstand zu halten.

Und dazu muss ich noch nicht mal schlechte Laune haben.

Michael Hafner

Michael Hafner

Partner bei gold super extra, Herausgeber beim Journal Ahnungslos, Autor.

Zufallsempfehlungen

Sonst noch neu

Veranwortung und die starken Männer

Zeitungsfunde: Töten ist ok, Rasen auch, Flüchtlinge verrecken lassen sowieso. “Steht zu eurer Verantwortung, redet euch nicht auf Gesinnung aus!”, fordern markige Kommentatoren. Und entfachen damit vollkommen nutzlose Nebeldebatten.

Expertise: Ups Kaputt

EpidemiologInnen, VirologInnen, ImpfexpertInnen überall – was hat die Vorstellung von Expertise ruiniert und wie kann man sie retten?

Zombiezucht?

ÖkonomInnen und PolitikerInnen, die gerne cool wären, reden jetzt auch oft von Zombies. Und sie meinen das Falsche damit.

Die Wurstsemmel und der Superbeamte

Der ehemalige Superbeamte mit der Wurstsemmel-Phobie demonstrierte mit seinem Wurstsemmel-Sager eindrucksvoll das Aufstreben der Kulturtechnik des Behauptens: Sag einfach irgendwas – es wird sie beschäftigen.

Achille Mbembe, Necropolitics

Für den zur Zeit in Südafrika lehrenden Philosophen Achille Mbembe bedeutet die Beschäftigung mit Politik und Demokratie vor allem die Beschäftigung mit Macht und Ausgrenzung.