Krönung

Das Krone-Magazin von Dossier erzählt für ältere Menschen wenig Neues. Die fehlende Schärfe ist aber auch zugleich die beste Illustration des Watte-Sumpfs um das große Wiener Medienimperium.

Es ist da, es ist schön, es hat fast 100 Seiten – aber für ältere Menschen bietet das Kronen Zeitung-Heft von Dossier wenig. Die Geschichte der Krone ist bekannt, die Schweigsamkeit ihrer Eigentümer ist legendär, Kurt Falk kann auch nichts mehr sagen, und es wurden schließlich auch schon einige Bücher geschrieben.
Was die Krone ist und wie ihr Journalismus funktioniert, ist einerseits hinlänglich bekannt und andererseits nicht restlos zu erklären. Insofern ist das Dossier-Heft der schlicht falschen Katapult-Analyse, die die Krone als konservativ kennzeichnet, schon mal haushoch überlegen.
Es ist auch gut, die Krone-Geschichte und einige ihrer politischen und wirtschaftlichen Verbindungen mal handlich zusammengefasst zu haben. Aber es ist für mich zumindest ein wenig beklemmend, wenn es schon als investigativ gilt, ein historisches Gedächtnis zu haben, das weiter als zwei Jahre zurückreicht oder Inhalte zusammenzufassen, die bereits dokumentiert sind.

Trotzdem: Wer die Krone nicht kennt oder noch nie Antworten darauf gefunden hat, woher sie kommt und wie sie so groß wurde, soll das Heft lesen.

Die Krone selbst zeigt allerdings ganz unabsichtlich und zugleich sehr eindrucksvoll, wie zugleich wichtig und andererseits viel zu kurz gegriffen es ist, sich auf diese Weise mit den Machtverhältnissen im österreichischen Journalismus zu beschäftigen.
Dossier widmet dem Kampagnen-Journalismus der Krone viel Raum und arbeitet heraus, dass sich die Krone, statt zu berichten, als Akteur verhalten hat, nicht nur Position bezogen hat, sondern auch mit nicht ganz sauberen Mitteln dafür gearbeitet hat, diese durchzusetzen. Auch Günther Winkler, ehemaliger Rektor der Universität Wien, der im Sternwartepark 1973 ein neues Universitätsinstitut bauen wollte und dafür als „Baummörder vom Sternwartepark” verunglimpft wurde, kommt im Dossier-Heft zu Wort.
Die Kronen Zeitung hat mittlerweile viel von ihrem Sinn für Kampagnen verloren und konnte sich zuletzt auch ein paar mal nicht durchsetzen. Den guten alten Zeiten, in denen man mit griffigen Kampagnen mobilisieren, Menschen attackieren und aus dem Weg räumen konnte, trauert man aber ganz offensichtlich heute noch nach.
Denn was Dossier als kritische Enthüllung über die Kronen Zeitung publiziert, zählt dortselbst zu den Highlights der Firmengeschichte: In einem Quiz anlässlich des 60jährigen Krone-Jubiläums vergangenen Sonntag war eine der Fragen zur Blattgeschichte: “Im Jahr 1973 startete die ‚Krone‘ eine Kampagne …“ – die Rettung des Sternwarteparks, der Hainburger Au, des Wienerwalds und des Stephansdoms stehen zur Auswahl.

Und obwohl die Krone ohnehin ungeniert und unberührt weiterfeiert (es sei der Zeitung und ihren Eigentümern auch unbenommen) rückt dann trotzdem noch Hans Mahr aus und erklärt noch einmal die Großartigkeit seines ehemaligen Arbeitgebers.
War der nicht auch mal als SPÖ-Chef im Gespräch?Ach nein, das war ja der andere erfolgreiche Medienösterreicher. Wobei, Hans Mahr war da sicher nur zum falschen Zeitpunkt zur Stelle und ist halt jetzt dann doch schon ein wenig alt, sonst …
Und da könnte die Krone-Story wieder lebendig werden.

 

 

Michael Hafner

Michael Hafner

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