Afrikanische Zeitungen

Afrikanische Zeitungen

Ich bin auf Reisen immer auf der Suche nach Zeitungen. In manchen Ländern Afrikas kann das dauern …

Adrien hatte alles im Griff. Während der knapp zwei Wochen, die er uns unterwegs in Benin begleitete, konnte ihn nichts überraschen oder nervös machen. Bis ich ihn nach Zeitungen fragte …

Wo auch immer ich reise, kaufe ich auch Zeitungen. Recht viele davon kann ich lesen, manche kaufe ich der Gestaltung halber.
Und gerade in den Ländern Afrikas sind die Zeitungsmärkte oft sehr unterschiedlich ausgeprägt. Benin war lange eine Zeit Vorzeigedemokratie (bis zuletzt die Wahlen mit finanziellen Hürden für kleine Parteien erschwert wurden; mehr dazu gibt es im Podcast auf Brandrede). Im Zeitungsmarkt hat sich das nicht niedergeschlagen.
Wir haben drei Tage lang auf Märkten, bei kleinen Händlern und in Shops nachgefragt, wurden immer weitergeschickt und ich war bereit, aufzugeben. Die Zeitung, die Adrien mir dann stolz in die Hand drückte, war knapp eine Woche alt, was Adrien nicht störte (mich auch nicht), fühlte sich an wie hektographierte Unterlagen, die in den 70er Jahren an Volksschulkinder verteilt wurden, hatte ein sehr aktionistisches Layout – und enthielt unter anderem wortwörtlich von Russia Today übernommene Meldungen zu Putins Neujahrspressekonferenz. (Benin hatte mal eine sozialistische Phase, die allerdings mit Ende der 8ßer Jahre auch zu Ende war.)

Benin

Ganz anders in Uganda. Hier sind Zeitungen präsent, werden von fliegenden Händlern in Verkehrsstaus verkauft, gehören zum Angebot von Straßenhändlern und werden gelesen und diskutiert.
Journalisten sind bekannt und schreiben Bücher – und auch die findet man bei Händlern oder sogar in Tankstellenshops.
Uganda wird zwar seit über dreißig Jahren vom gleichen Präsidenten regiert, der manchmal sehr beleidigt auf Zeitungskritik reagiert und die Redaktionen angriffiger Boulevardblätter auch fallweise von der Polizei einschüchtern lässt. Zeitungen sind aber keineswegs verstummt.

Uganda

Nochmal anders im benachbarten Ruanda. Dort spielen Zeitungen wieder kaum eine Rolle im öffentlichen Leben. Die einzige, die man gelegentlich zu Gesicht bekommt, ist ein Regierungsblatt – und interessiert niemanden. Sie wird eher als Verpackungsmaterial benutzt.

In Togo, das nicht gerade demokratisches Musterland ist, blüht ein bunter Boulevard, in Ghana sind Politik und Medienlandschaft sehr lebendig.

Togo

Ghana

Ich arbeite noch an dieser Sammlung …

Und hier gibt es eine Sammlung zu afrikanischer Gegenwartsliteratur.

Michael Hafner

Michael Hafner

Zufallsempfehlungen

Publishingmodelle #1: unglue it!

Während wir hierzulande gern um Urheberrechte streiten, symbolisch Blogger wegen gescannter Zeitungen von gestern abmahnen (Thurnher vs. Gröbchen) und in der digitalen Verbreitung von Inhalten

Sonst noch neu

Zygmunt Bauman, Wieder allein

Allein sein ist nichts Schlechtes. Man muss nur bereit sein, sich zu bewegen Verantwortung zu übernehmen und für sich selbst zu sprechen – dann kann immer noch so etwas wie Ethik existieren.

LauraWiesboeckInbessererGesellschaft

Laura Wiesböck, In besserer Gesellschaft

Ich kann auch nach der Lektüre nicht sagen, welches Problem Wiesböck in diesem Buch thematisiert. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich eine grundlegend andere Auffassung von Problem habe.

Hannah Arendt, Über das Böse

Zählen meine Regeln oder die der anderen? Arendt zeichnet die Verschiebung moralischer Regeln von innen nach außen nach und zeigt, warum Verantwortung, Verhandeln und Verstehen die wichtigsten Eckpfeiler gegen „das Böse“ sind.