Was für ein Schrott

Monocle ist heute das globale Pendant zu den sonder Zahl den Markt überschwemmenden Österreich-Zeitungsbeilagen.

Noch eins aus der Reihe: Lange nicht gelesen. Monocle war mal ein großer Hoffnungsträger für smart gemachte Magazine. Eine Mischung aus Lifestyle und klugen Artikeln, eine globale Perspektive und eine einladende Aufmachung, die Leserinnen und Lesern das Gefühl gibt, das beste Zeug zu lesen.
Das ist etwa füpf Jahre her.
In den letzten Jahren ist mir Monocle oft und, wie es sich gehört, an verschiedenen Plätzen der Welt begegnet, ich habe es gelegentlich auch in die Hand genommen, fand aber nie einen Anreiz, es durchzublättern, geschweige denn zu lesen
.
Mit einem Stapel anderer Hefte habe ich es jetzt doch mal gekauft und gelesen, und ich muss sagen: was für ein übler, oberflächlich brand- und locationdroppender Schrott! Die banalsten Storys werde an entfernte Orte verlegt, was ihnen auf den ersten Blick einen gewissen Reiz verleiht, sie auf den zweiten aber noch oberflächlicher macht (Fettleibigkeit in Qatar, Straßenkiosks in Athen, den Rest habe ich schon wieder vergessen). Was spannend klingt, wenn es denn eine Story wäre, wird in etwa mit der Tiefgründigkeit eines schnellen Stadtspaziergangs abgehandelt.
Sogar das schnelle Durchblättern eines solchen Hefts fällt unter verschwendete Lebenszeit; Monocle ist das auf Menschen, die gerne reich und schön und witzig wären abzielende Pendant zu den sonder Zahl den Zeitungsmarkt überflutenden Beilagen zur Österreich-Tageszeitung. Beides finden seinen Markt (bei Anzeigenkunden), beides hält sich erstaunlicherweise noch immer.

Man kann den Macherinnen und Machern dahinter nur gratulieren. Aber gleichzeitig steigt damit auch das nackte Grauen auf, die Angst davor, Publikationen ausschließlich auf kommerziellen Erfolg zu trimmen. Denn es ist ja nur zu deutlich absehbar, in welche Richtung der Weg geht. Das kann doch niemand gewollt haben; Geldverdienen geht doch anders einfacher …

Michael Hafner

Michael Hafner

Zufallsempfehlungen

Lisz Hirn, Geht’s noch!

Wenn man Frauen auch als potenzielle Mütter sieht, wird Ungleichheit viel sichtbarer, sagt Lisz Hirn. Mit “Geht’s noch!” ist eigentlich alles gesagt, das Buch sollte man trotzdem lesen.

Ich mag ja Optimismus …

Breaking News: Das Finanzamt prophezeit Unternehmern ein Boom-Wachstum wie in den 50er-Jahren. Zumindest, wenn man die Einkommensteuervorauszahlungsbescheide beim Wort nimmt. Und – wie das Finanzamt – die Steuerreform ignoriert.

Sonst noch neu

Hannah Arendt, Über das Böse

Zählen meine Regeln oder die der anderen? Arendt zeichnet die Verschiebung moralischer Regeln von innen nach außen nach und zeigt, warum Verantwortung, Verhandeln und Verstehen die wichtigsten Eckpfeiler gegen „das Böse“ sind.

Was alles gesagt werden muss

Zwei Bücher von jungen Autorinnen, die manchmal sehr weit ausholen, werfen für mich die Frage auf, welchen gemeinsamen Boden man noch teilt. Und was warum neu beschrieben werden muss.

Die Greta-Grenze

Polarisierung ist eine Art Volkssport – vor allem zu Belustigung von Wahlkämpfern und Kommentatoren. Dabei lohnt es sich vor allem darauf zu achten, wer sich worüber polarisiert erregen kann.

Schnitzelpolitik: Im Frittierfett der Moral

Neuerdings wollen sich so manche in der Politik von der Moral verabschieden. Das liegt aber vermutlich daran, dass sie selbst nicht verstehen, wovon sie reden – und auch keinen Wert darauf legen, verstanden zu werden. Die Geste reicht.

Francis Fukuyama, Identity

Fukuyamas Analyse des Identitätsbedürfnisses findet auch keine neuen Lösungen. Das ist aber weniger sein Problem als das von Identitätspolitik.