Florent Couao Zotti, L’homme dit fou

Florent Couao Zotti, L’homme dit fou

Ein vermeintlich Irrer, der Bankdirektoren verhext, Magierinnen und ganz banale Raubmörder – diese Erzählungen aus Benin sind recht düster.

Benin hat seine dunklen Seiten. Voodoo, die blutrünstigen Könige von Dahomey, Sklavenhandel und dann noch eine kommunistische Phase in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Diese dunkle Seite kommt in Florent Couao Zotti Erzählungen zum Tragen. “L’homme dit fou” (“Der Mann, den sie verrückt nannten”) ist eine Sammlung düster-schwermütiger Geschichte, Hexer, Irre, Arbeitslose, schwangere Teenager oder Münder sind das Personal, das in seinen Storys die Städte des südlichen Benin bevölkert.
Das ist oft mitreißend, manchmal anstrengend, sicher nicht jedermanns Sache. Zotti schreibt in einer sehr bunten, von vielen Neologismen geprägten Sprache, die es nicht leicht macht, der Story zu folgen, denn Couao Zotti trägt da durchaus dick und oft überraschend auf.
Aus eine europäischen Perspektive sind diese Erzählungen jedenfalls andere Literatur, die manchmal fasziniert, manchmal gewöhnungsbedürftig und befremdlich dramatisch ist.

Das Buch habe ich in Benin von einem fliegenden Händler am Straßenrand gekauft, der eine bunte Mischung aus Schulbüchern aus den letzten 50 Jahren, zeitgenössischer afrikanischer Literatur, literarischen Klassikern, auf dünne Stangen aufgespießte Singvögel, Coca-Nüsse und Alkohol verkauft hat. Er kannte seine Bücher und konnte zu jedem etwas sagen.

Florent Couao-Zotti wurde 1964 in Benin geboren und lebt als Journalist in Cotonou.

Michael Hafner

Michael Hafner

Partner bei gold super extra, Herausgeber beim Journal Ahnungslos, Autor.

Zufallsempfehlungen

Sonst noch neu

Mehr Bürokratie!

Über Bürokratie beschwert man sich gerne. Das ist ein Fehler – denn nichts bremst Ideen mehr als die Möglichkeit, sie gleich umsetzen zu können.

Redundanz statt Happy End

Ohne Narrativ bis du niemand. Früher brauchten Narrative ein Happy End, heute reicht ihnen Redundanz, um Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Adrian Daub: What Tech Calls Thinking

Tech-„Philosophie“: Ein belangloses Problem wird zur unüberwindlichen Hürde erhoben, eine beliebige Idee wird zum allgemein gültigen Prinzip stilisiert, aus einer punktuellen Problemlösung wird die Zukunftsvision der Menschheit destilliert …

Rob Kitchin: The Data Revolution

Daten sprechen nie für sich selbst, Open Data sind nicht so demokratisch wertvoll wie angenommen und Geschichte und Transformation einzelner Datensätze werden gemeinhin zu wenig beachtet.