Aber doch noch mal zu den Mediendiskussionen …

Aber doch noch mal zu den Mediendiskussionen …

Ich hab ja schon kurz erwähnt, dass ich mich von Mediendiskussionen gern fernhalte. In den 90er-Jahren hatte ich noch ein richtig schlechtes Gewissen, über das Internet zu schreiben. Dazu musste man nicht aus dem Haus gehen, schrieb über Dinge, sie sich jeder selbst hätte ansehen können, wenn er oder sie gelernt hatte, Computer und Browser zu bedienen (das war auch ungefähr meine Online-Qualifikation) und packte halt überall ein bisschen Porno oder Bombenbauanleitung dazu. Für jemanden, der gelernt hatte, unterwegs zu sein und als Chronikredakteur Fotos von Mordopfern zu keilen oder Interviews mit Überlebenden zu bekommen, war das bequem, aber es fühlte sich falsch an.
Heute ist das eine der wohl armutsbedingten Königsdisziplinen des Journalismus. Journalismusevents sind das „Wie werden ich im Internet reich?“ der Medienbranche und des 21. Jahrhunderts. Manche davon sind vielleicht nette praktische Selbstreflektion, andere dienen dem medienwirksamen Zementieren von Ist-Zuständen, wenn große Tiere große alte Behauptungen aufstellen, die dann in ihren großen alten Medien wiedergegeben werden, mit stolz dreinschauenden Politikern dazu im Hintergrund.
Und dann gibt es noch Journalisten, die immer noch ungeniert Formulierungen wie „worum es wirklich geht“ in der Mund nehmen. Sogar Medienjournalisten machen das. Irgendwie ist das der Beweis dafür, dass es anscheinend tatsächlich diese Selbstreflektionsevents braucht. Nur können die vielleicht auch etwas persönlicher sein und nicht immer gleich die ganze Branche erklären wollen.
Wenn jeder einzelne weniger Mist baut, dann gibts weniger Mist. So einfach wäre das.
Michael Hafner

Michael Hafner

Partner bei gold super extra, Herausgeber beim Journal Ahnungslos, Autor.

Zufallsempfehlungen

Jan Valtin – Tagebuch der Hölle

600 eng bedruckte, schmuck- und schnörkellos erzählte Seiten über das Leben eines Komintern-Agenten in den 20er und 30er Jahren. Alle, die heute dümmliche Feschist/Faschist-Witzchen machen, „wie in den 30er Jahren“-Vergleiche bemühen und Widerstand mit Vereinsmeierei verwechseln, sollten es ebenfalls lesen.

Erfahrener Sektenführer

Es ist ja nur schlüssig, dass Kurz sich nach Gründung der türkisen Sekte von der nächsten Sekte anhimmeln lässt.

Sonst noch neu

Veranwortung und die starken Männer

Zeitungsfunde: Töten ist ok, Rasen auch, Flüchtlinge verrecken lassen sowieso. “Steht zu eurer Verantwortung, redet euch nicht auf Gesinnung aus!”, fordern markige Kommentatoren. Und entfachen damit vollkommen nutzlose Nebeldebatten.

Expertise: Ups Kaputt

EpidemiologInnen, VirologInnen, ImpfexpertInnen überall – was hat die Vorstellung von Expertise ruiniert und wie kann man sie retten?

Zombiezucht?

ÖkonomInnen und PolitikerInnen, die gerne cool wären, reden jetzt auch oft von Zombies. Und sie meinen das Falsche damit.