Ich war wählen

Ich war wählen

Wiener Last-Minute-Wahlhilfe für Unentschlossene zwischen bekennenden Po-Grapschern, Mad Max Häupl, der Zukunft der Stadt, den Autofahrern und den Busenbergern.
 
Hallo SPÖ – Die ersten Wahlplakate mit Mad Max Häupl vor den falloutromantischen Gemeindebaubaustellen, an denen gute Freunde arbeiten, waren krass. Die letzten Plakate und Spots waren großartig und Wien ist eine feine Stadt. Aber ich hatte als Kind schon eine Allergie gegen Zwangsbussis von Omas und Tanten und es ist nun einmal ein schwaches Argument, die Mächtigen zu wählen, weil sie mächtig sind.
 
Hallo Grüne – Danke für die Jahreskarte; war sonst noch was? Julian Schmid kichert im Duell mit Bezirkowitsch wie eine Darstellerin aus Mädchenpensionat-Softpornos, und die Aussage des Wahlkampfs, die mich dann eigenlich fassungslos zurückgelassen hat, waren die einleitenden Worte von Eva Glawschnig über Maria Vassilakou: „Lieber Migrationshintergrund als Korruptionshintergrund.“ – Ich Massa, du Freitag. Die anständigen AusländerInnen sind doch sonst eher Zielgruppe der anderen.
 
Hallo ÖVP – Ihr habt einen bekennenden Po-Grapscher in euren Nationalratsklub geholt, die Parlamentsblondine (Entschuldigung) in der Versenkung verschwinden lassen und ihr verkauft WienerInnen tatsächlich für so blöd als würden sie versuchen, die Mariahilferstrasse bei einer zurückzulegenden Strecke von etwa 300 Metern Fußweg mit dem Auto zu überqueren. Und ihr seid schuld daran, dass Ursula Stenzel in der Politik ist. Noch Fragen?
 
Hallo FPÖ – Meinetwegen. Ich hab einen Tipp: Gründet gemeinsam mit Andreas Gabalier die Busenberger, um ein Gegengewicht zu den Bilderbergern zu schaffen.
 
Hallo Neos – Danke für Don Häupelone, 50 Shades of Red und die Möglichkeit, die Zukunft mal offen zu halten. Und ich hoffe, der Wahlkampf war mutig und kein Nullsummenspiel – gegen die FPÖ sind eh alle, außer denen, mit denen man kaum darüber reden kann.
Michael Hafner

Michael Hafner

Partner bei gold super extra, Herausgeber beim Journal Ahnungslos, Autor.

Zufallsempfehlungen

Generation F im Work-Life-Bullshit

Qual, sinnstiftend oder eh egal? – Drei aktuelle Texte beschäftigen sich mit Fragestellungen rund um Arbeit. [dropcap type=”3″]M[/dropcap]iya Tokumitsu stellt im Jacobin Magazine unter dem Titel

Jö, Meinungswut!

Herrlich: Eine Gruppe von Herausgebern und PR-Bossen, die selbstverständlich noch nie mit den Instinkten ihrer Leser und Zielgruppen gearbeitet haben, immer nur mit deren Intellekt,

Sonst noch neu

Technophilosophien

Nach Avantgarde, Utopien, Dystopien, Begeisterung und Skepsis herrscht jetzt eher Ratlosigkeit unter TechnikphilosophInnen. Man entwirft Konzepte und Forschungsprogramme, will oder kann sich dann aber doch nicht festlegen.

Régis Jauffret, Microfictions 2022

Ich werde nicht ganz schlau daraus. Ein Panorama unserer Zeit, konkret dieses Jahres, als 1000-Seiten-Roman, blitzschnell geschrieben – das klang spannend. Jauffret löst das als

Mehr Bürokratie!

Über Bürokratie beschwert man sich gerne. Das ist ein Fehler – denn nichts bremst Ideen mehr als die Möglichkeit, sie gleich umsetzen zu können.

Redundanz statt Happy End

Ohne Narrativ bis du niemand. Früher brauchten Narrative ein Happy End, heute reicht ihnen Redundanz, um Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Adrian Daub: What Tech Calls Thinking

Tech-„Philosophie“: Ein belangloses Problem wird zur unüberwindlichen Hürde erhoben, eine beliebige Idee wird zum allgemein gültigen Prinzip stilisiert, aus einer punktuellen Problemlösung wird die Zukunftsvision der Menschheit destilliert …