Moses Isegawa, Schlangengrube

"Schlangengrube" ist ein historischer Roman über den Terror Idi Amins in Uganda, "State of Blood" liest sich wie die Vorlage dazu.

Die ersten Jahre sind eine Idylle. Isegawa beschreibt das Uganda der frühen 70er Jahre, einer Zeit nach der Unabhängigkeit, nach ersten Umstürzen – die Zeit der ersten Herrschaftsjahre von Idi Amin.
Ein wenig dieser Idylle ist heute in Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt Ugandas noch spürbar – in Entebbe ist der Flughafen Ugandas, der Äquator ist nicht weit weg, es gibt noch den ältesten Golfclub Ostafrikas und einige Strandbars am Viktoria-See, dessen Ufer den Blick auf eine endlose Weite preisgeben, die den Betrachter das Meer nicht vermissen lässt. Manche dieser Strandbars sind neben ärmlichen Fischerhäfen, in denen einst bunt bemalte Holzboote, die fast alle Spuren von Lack verloren haben, noch immer täglich auf den See fahren, manche gehören zu leidlich renovierten Hotels aus den sechziger Jahren, in denen die reicheren Ugander Wochenende verbringen, manche zu Luxusresorts, in denen Expats unter sich bleiben. Nichts ist so vergänglich wie Luxusarchitektur in den Tropen.

Die Idylle ist nicht das Thema von Isegawa. Sein Protagonist kehrt nach dem Studium in England nach Uganda zurück und möchte etwas aus sich machen. Bat Katanga bekommt einen Job in einem der unzähligen Ministerien in der Verwaltung Amins und steigt stetig nach oben. Sein schneller Aufstieg ist allerdings nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass viele seiner Vorgänger bei Diktator in Ungnade fallen, zerstückelt werden, Krokodilen zum Fraß vorgeworfen werden oder in den berüchtigten Folterkammern beim alten Königspalast in Kampala landen, die man heute noch besichtigen kann.

Der Weg geht lange gut – bis Katanga eben selbst in der Schlangengrube verstrickt ist, erst als bestechlicher, korrumpierter Beamte, der sich tolle Autos und Geliebte leistet, dann als erpressbares Opfer, als jemand, der zu weit in die Näher des Diktators gekommen ist – und jetzt dessen Misstrauen und Angst spürt, die sich immer in gewaltigen Drohungen entladen.

Isegawa schafft es, Gewalt in knappen und fast wortkargen Szenen sehr eindrücklich wirken zu lassen. Er inszeniert keine Dramen, Schilder keine Gräueltaten – es geschieht ganz selbstverständlich. Und die Entwicklung ist ausweglos.
So ist Schlangengrube ein sehr bedrückendes Buch – aber eines, das die Geschichte Ugandas sehr gut erfahren lässt.

Idi Amins Terror – State of Blood

Wer mehr über die Diktatur Idi Amins von jenen wissen will, die direkt dabei waren, kann gleich noch Henry Kyembas “State of Blood“ lesen. Kyemba könnte eine Vorlage für die Charaktere Isegawa gewesen sein. Auch er war Beamter in der Verwaltung Amins, stieg ständig nach oben und musste schließlich unter Lebensgefahr den Fluchtweg nach England suchen. Kyemba beschreibt Amins Agieren in der Welt, das taten- und ahnungslose Zusehen der Weltgemeinschaft (im Buch ist auch ein Foto vom Shakehands zwischen Kurt Waldheim – damals UN-Generalsekretär – mit Amin) und das paranoide Regieren Amins.
Amin machte Stimmung mit zahlreichen Versprechungen – Krankenhäuser hier, Schulen dort – setzte dann seine Minister unter Druck, das entgegen aller Budgetpläne umzusetzen, und zog sie dann eiskalt zur Rechenschaft, wenn das Geld, das sie dafür abzogen, dann anderswo fehlte.
Bevor jemand Kritik äußern konnte, wurde er oder sie getötet; in den späteren Jahren seiner Diktatur wurde überhaupt jeder beseitigt, der potenziell Kritik üben konnte – das betraf Gebildete, Geschäftsleute, Intellektuelle und eben die eigenen Regierungsmitglieder.
Kyemba konnte sich 1978 absetzen und seine Familie nachholen, obwohl er auch auf diplomatischen Auslandsreisen stets vom Geheimdienst begleitet wurde. „State of Blood“ erschien 1979 als Amin noch an der Macht war – es ist also keine komplette historische Aufarbeitung, aber ein direkter Augenzeugenbericht.
Einer, der nicht vergessen werden sollte. Auch in Uganda kokettieren manche jungen Leute noch oder wieder mit Idi Amin, mit dem Bild eines starken Mannes, der tatkräftig durchgreift.

Michael Hafner

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