Computer rechnen. Sonst tun sie nichts. Wer sich diesen Grundsatz der Informatik immer wieder in Erinnerung ruft, läuft weniger Gefahr, digitale Technologien zu vermenschlichen, KI zu dämonisieren oder Social Networks über sein Leben herrschen zu lassen. Peter Reichl erzählt von seiner Leidenschaft für Rechenmaschinen, deren Geschichte bis ins Jahr 1623 zurückgeht, von Zahnrädern und Walzen. Seit der Bewältigung von Addition und Subtraktion ist, abgesehen vom Tempo, wenig Wesentliches in der Entwicklung von Rechenmaschinen dazugekommen.
Umgelegt auf Digitaldebatten der Gegenwart bedeutet das etwa: KI halluziniert immer, nicht nur manchmal, denn die Reaktion auf Prompts sind immer nur statistische Wortfolgen. Genaugenommen halluziniert auch nicht KI, sondern ihr Anwender, der in dieser Statistik Bedeutung sucht.
Ein anderes großes Missverständnis ist die Interpretation von Wahrheitswerten: Seit George Bool kann formale Logik mit Wahrheitswerten rechnen. Seit den ersten Transistoren können Wahrheitswerte in die Abläufe von Schaltungen eingebaut werden. Aber nach wie vor haben weder Wahrheitswerte noch ihre Berechnung mit Wahrheit zu tun. Logik prüft die formalen und klar definierten Zusammenhänge zwischen Zuständen. Ob einer dieser Zustände wahr ist, ist dabei irrelevant.
Reichls Buch ist unterhaltsam zu lesen und mischt viele Anekdoten und Erzählformate. Allerdings bleibt offen, ob solche Formate ihr Publikum erreichen oder überzeugen werden. Denn letztlich bleibt es ein flehendes Plädoyer gegen die Verblödung. Der Homo cyber liefert sich, im Gegensatz zum gestaltenden Homo faber, der Beliebigkeit und Passivität aus. Das erzeugt Abhängigkeiten, Menschenbilder und Arbeitsumgebungen, die nicht mehr menschlich sind.






