
Yascha Mounk: Im Zeitalter der Identität
Klasse-, Rasse- oder Gender-Identitäten schaffen einen neuen verbohrten Essenzialismus, der Freiheit zu seinem Feindbild macht. Dazu gesellen sich viele halbphilosophische Missverständnisse.

Klasse-, Rasse- oder Gender-Identitäten schaffen einen neuen verbohrten Essenzialismus, der Freiheit zu seinem Feindbild macht. Dazu gesellen sich viele halbphilosophische Missverständnisse.

Brüche im Lebenslauf schaffen Resilienz, Problemlösungskompetenz und Flexibilität. Da kann man mit. Aber die Idee, das an Gruppenidentitäten zu knüpfen (Ostdeutsch, Migrationsgeschichte oder sozialer Aufstieg) ist haarsträubend abstrus.

Lobo skizziert die Idee eines Neuen Vertrauens. Seine Vorschläge für den Weg dorthin überzeugen aber nicht.

Erzählungen von Cancel Culture sind Ausdruck kultureller und moralischer Panik. Und großteils unbelegte Anekdoten.

Beim Versuch, Kränkungen und Beleidigungen zu vermeiden, freunden sich viele junge SozialwissenschaftlerInnen erstaunlich schnell mit Einschränkungen von Rede- und Meinungsfreiheit an.

Wenn man heute jemanden vernichtend kritisiert, sagt man nicht: „Was du sagst, ist falsch“, sondern: „Du redest vom Falschen.“ Über den Aberglauben des neuen Essenzialismus.

Ohne Narrativ bis du niemand. Früher brauchten Narrative ein Happy End, heute reicht ihnen Redundanz, um Menschen in ihren Bann zu ziehen.

Fukuyamas Analyse des Identitätsbedürfnisses findet auch keine neuen Lösungen. Das ist aber weniger sein Problem als das von Identitätspolitik.