Publishingmodelle #1: unglue it!

Während wir hierzulande gern um Urheberrechte streiten, symbolisch Blogger wegen gescannter Zeitungen von gestern abmahnen (Thurnher vs. Gröbchen) und in der digitalen Verbreitung von Inhalten böse Piraterie sehen, entstehen anderswo Geschäftsmodelle im digitalen Publishing, die aus diesen vermeintlichen Problemen neue Chancen machen. Die Micropublishing-Miniserie auf der-karl.com stellt einige davon vor.

unglue.it kombiniert Geld für Autoren mit Freiheit für User. Unglue wird dabei it “to give your favourite books to everyone in the world” übersetzt – auf der Plattform werden Creative Commons Lizenzen für Bücher gewissermaßen versteigert.

unglue

Autoren müssen die Rechte an ihren Büchern besitzen, dürfen also noch nicht in die Fänge einer Verwartungsmafia geraten sein, können ihr Werk auf der unglue-Seite vorstellen und einen Preis festlegen. User legen zusammen – und sobald der Preis erreicht ist, kann das Buch unbeschränkt downgeloadet und weitergegeben werden. Kein DRM, keine anderen Beschränkungen – nur eine Creative Commons-Lizenz.

Als Service bietet unglue seinen Autoren die Konvertierung des Texts in ein eBook-Format an, unterstützt mit Marketingberatung und liefert ein Social Media-Starterkit für Publisher und Autoren.

Das Risiko für Autoren ist einerseits hoch – zu niedrig angesetzte Preise sind ärgerlich, zu hoch angesetzte Preise werden nicht erreicht. Das kommerzielle Ergebnis konventionell publizierter Bücher ist aber ebenso ungewiss. Und dem Remarketing überraschender Erfolge steht nichts im Weg, sollte sich später mit anderen Ausgaben weiteres Geld machen lassen.

unglue.it ist seit Anfang 2012 online, hat grosses Medienecho erreicht und bislang drei Bücher “unglued”.

Für User wird erst abgerechnet, wenn der vom Autor festgesetzte Preis erreicht ist. Wird dieses Limit nicht überschritten, dann wird auch kein Geld abgebucht. Grundsätzlich ein für beide Seiten gut überschaubares Modell – es sei denn, nachträglich schlagen wieder Unsinnigkeiten wie Festplattenabgaben zu… (Kunst hat Recht vs. Plattform für ein modernes Urheberrecht)

Alle Posts zur Serie “Publishingmodelle”

 

Michael Hafner

Michael Hafner

Zufallsempfehlungen

4 Hours

I’ve read (parts of) Tim Ferriss’ “4 Hour Workweek” and I’m really disappointed. That’s it? Get rid of time wasters, focus on what you want

Sonst noch neu

Zygmunt Bauman, Wieder allein

Allein sein ist nichts Schlechtes. Man muss nur bereit sein, sich zu bewegen Verantwortung zu übernehmen und für sich selbst zu sprechen – dann kann immer noch so etwas wie Ethik existieren.

LauraWiesboeckInbessererGesellschaft

Laura Wiesböck, In besserer Gesellschaft

Ich kann auch nach der Lektüre nicht sagen, welches Problem Wiesböck in diesem Buch thematisiert. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich eine grundlegend andere Auffassung von Problem habe.

Hannah Arendt, Über das Böse

Zählen meine Regeln oder die der anderen? Arendt zeichnet die Verschiebung moralischer Regeln von innen nach außen nach und zeigt, warum Verantwortung, Verhandeln und Verstehen die wichtigsten Eckpfeiler gegen „das Böse“ sind.

Was alles gesagt werden muss

Zwei Bücher von jungen Autorinnen, die manchmal sehr weit ausholen, werfen für mich die Frage auf, welchen gemeinsamen Boden man noch teilt. Und was warum neu beschrieben werden muss.

Die Greta-Grenze

Polarisierung ist eine Art Volkssport – vor allem zu Belustigung von Wahlkämpfern und Kommentatoren. Dabei lohnt es sich vor allem darauf zu achten, wer sich worüber polarisiert erregen kann.