Wertschöpfung vom Mittelpunkt des Universums

Wertschöpfung vom Mittelpunkt des Universums

Die Wertschöpfungsstudie der Wien Holding stellt die Frage nach dem Mittelpunkt des Universums neu. Ich nehme mir das zum Vorbild und bin der Meinung, dass Apple auch nur deshalb so erfolgreich ist, weil ich Macbook und iPhone benutze.
Ich finde diese Studie der Wien Holding sehr inspirierend. Wertschöpfungsrechnung anstelle von Bilanzen oder Steuerleistung – da mache ich mir auch gleich Gedanken über die Wertschöpfung meiner Unternehmen. Schliesslich ist ja wohl nicht zuletzt Apple deshalb so ein hippes Unternehmen, weil ich durch die Nutzung meines Macbooks und iPhones immens zur Wertsteigerung in Cupertino beitrage. Und in China.
Die Wien Holding rechnet vor, was sie ausgibt und investiert, was ihre Lieferanten ausgeben und was das wieder an Folgeausgaben nach sich zieht. Interessanter Ansatz, zu dem man wahrscheinlich auch Galileo befragen müsste; der hat sich ja auch einige Gedanken über den Mittelpunkt des Universums gemacht.
Ich gebe knapp die Hälfte meines Umsatzes für Partner und Lieferanten aus, die Hälfte vom verbleibenden Gewinn dann noch mal für Steuern und Abgaben. Aber das allein als Beitrag zur Wirtschaftsleistung zu rechnen, wäre natürlich viel zu kurz gegriffen:
  • Ich sichere Arbeitsplätze bei meinen Kunden – was würden die Projektverantwortlichen dort denn sonst machen, als sich mit mir zu beschäftigen?
  • Durch die Nutzung des Internet leiste ich einen wesentlichen Beitrag zu digitaler Forschung, Innovation und Produktentwicklung – ohne mich würden die das alles nicht machen.
  • Es wäre auch viel zu kurz gegriffen, nur direkt bezahlte Lieferanten einzurechnen – wenn wir auf Papier produzieren, vergesst die Papierindustrie und Forstwirtschaft nicht, und natürlich die Post als Zusteller und die MA48 als Entsorger. – Wien Holding, heisst das, ich erhalte euch?
  • Ganz wesentlich sind dann noch die Kaffee- und manchmal leider auch Zigarettenressourcen, die während einer intensiven Produktionsphase verbraucht werden. Damit dehnt sich mein wirtschaftliches Netzwerk bis nach Kolumbien, Brasilien, Sumatra und Texas aus. Ich muss mal nach Kickbacks fragen.
  • Die gesamte Publishing- und Content Management-Software-Industrie wäre ohne meine Investitionen natürlich auch nicht lebensfähig.
Die Liste ließe sich fortsetzen. Das einzige was mich bei diesem Sprint zur Weltherrschaft ein bisschen stutzig macht: Könnte das nicht jeder von sich behaupten? Aber das gilt für die Ergebnisse der „Studie“ der Wien Holding auch.
Michael Hafner

Michael Hafner

Daten- und Digitalisierungsexperte, Wissenschafts- und Technologiehistoriker, Informatiker und Journalist

Sonst noch neu

Aldous Huxley: Zeit der Oligarchen

Zeitgemäße Medien- und Technologiekritik von vor achtzig Jahren. Aber scheinbar seit so langem schon einleuchtenden Lösungen gegenüber ist immer Skepsis angebracht: Denn die beschriebenen Probleme sind schließlich erhalten geblieben.

Eva Ladipo: Not am Mann

Männer sind Verlierer unsere Zeit und haben Probleme, sich daran zu gewöhnen. KritikerInnen von Männlichkeit haben Probleme damit, den neuen Verlierer-Status als real anzuerkennen.

Sophie Passmann: Wie kann sie nur?

Social Media-Konsum funktioniert wie Horrorfilm-Konsum: Es kann verlockend sein, sich dem Nervenkitzel auszusetzen. Man muss aber auch wissen, dass man manchmal nicht in der Verfassung ist, sich dem stressfrei und unbeschadet auszusetzen.

Meine Bücher