Palantir-Gründer Alexander Karp gilt als einer der Intellektuellen des Silicon Valley. Seine Vision einer „Technological Republic“ ist ein wildes Pastiche ziemlich wahllos aneinandergereihter Zitate, als hätte jemand auf Wikipedia recherchiert oder überhaupt gleich die ersten Google-Treffer als valide Quellen akzeptiert.
Natürlich kann Karp argumentieren. Solange er in seinem Metier des Unternehmensgründers und des Produzenten von Überwachungssoftware bleibt, ist das auch interessant. Je länger das Buch wird, desto länger wird es auch in negativen Sinn: Behauptungen, schwache Argumente und die sattsam bekannte konservativ-libertäre Nostalgie, die Zeiten nachhängt, in denen man noch alles sagen konnte – so wie sie meist von saturiertem Männern gepflegt, die alles sagen können. Vielleicht können sie nicht alle zwingen, ihnen zuzuhören oder zuzustimmen, aber das ist eine andere Geschichte.
Bevor Karp sich diesen kulturellen Exkursen widmet, kritisiert er die Konsum- und Konsumentenorientierung des Silicon Valley. Anstelle der großen Herausforderungen werden Convenience-„Probleme“ gelöst, vieles dreht sich um Kommunikation, Entertainment und Selbstdarstellung, wenig ist neu. Im Verlangen nach großen Innovationen trifft er sich mit Peter Thiel. Größere Würfe und Innovationsschritte gelängen dann, wenn Innovatoren mit Staaten zusammenarbeiteten. Die Skepsis gegenüber der Kooperation mit Staat, Polizei oder Militär ist für Karp eine weitere Schwäche der Softwareindustrie, die Wachstum bremst und Standort schwächt, Ideen klein hält und der freien Welt militärische Nachteile bringt – denn anderswo (vor allem in China) sind die Bande zwischen Staat und Innovation deutlich weniger zart.
Innovatoren sollten in erster Linie dem Staat dienen. Die USA müssen Dominanz beim militärischen Einsatz von AI sicherstellen, so wie es ihnen auch bei der Entwicklung von Atomwaffen gelungen ist.
Damit der Staat ein besserer Geschäftspartner wird, muss er natürlich auch an seinen Beschaffungsbedingungen arbeiten, um Unternehmen weniger Hürden in den Weg zu stellen. Karp hat dazu einige Storys aus der Palantir-Geschichte bereit. (Kurzer Exkurs: Auch in diesen Beispielen bleibt, wie so oft, unklar, was das eigentliche Asset von Palantir ist. Datenbanken sind Basistechnologie und kein Produkt, Queries und Relationen sind technische Grundlagen. Die Basisdaten sind entweder frei verfügbar oder schwer zu beschaffen, aber die Rahmenbedingungen sollten für alle gleich sein. Oder sind es doch inhaltliche Urteile, gestaltet Palantir die Welt statt sie nur zu analysieren? Dann wäre es kein Softwareprodukt, sondern in ein politisches Produkt gegossene Haltung – etwas, das man in Data Science zu vermeiden versucht.) Karp zitiert auch andere Fälle, in denen sich Bürokraten über Vorschriften hinweggesetzt hätten, um richtige Entscheidungen zu treffen. Kritik an solchen Alleingängen bezeichnet Karp als Lust auf Sündenböcke, ganz so als wären diese Bürokraten Pogromen ausgesetzt gewesen.
Die Macht und Relevanz von Software ist für Karp Argument, die Branche nicht zu regulieren; dem Starken, der in die Zukunft geht, darf man nichts in den Weg legen. Das Argument lässt sich auch sehr gut umkehren.
Karp reklamiert Mariana Mazzucato und ihr Konzept des Entrepreneurial State als Verbündete für den starken Staat und verwendet einige Zeit darauf, Idealbilder von Startups als Schwarm ohne zentrale Steuerung zu zeichnen. Aber wie entscheidet dieser Schwarm? Karp kommt auf Umwegen zu einer Art völkischen Gemeinschaft als Grundlage kooperativer Entscheidungen. Spätestens hier hat Mazzucato wohl keine Freude mehr mit dieser Allianz, und diese Passagen sind es auch, die verstehen lassen, warum Technikphilosoph Mark Coeckelbergh Karps Buch als Manifest des Technofaschismus kritisiert.






