Intelligente Urbanität – Ich, Landei…

Cityslicker werfen sich in Tracht und zelebrieren Wiesenparties, Erntedankfeste und Trachtenbälle in der Stadt. Intelligent? Pünktlich zu Wochenbeginn, Schulbeginn und Schlechtwetter tönt es an den Haltestellen der Wiener Linien: “Verkehrsbedingt kommt es…” Vernetzt?
Städte sind oft einfach Ärgernisse. Aber es zahlt sich aus, sich darüber zu ärgern, Städte bieten etwas. Gibt es eigentlich auch Konzepte intelligenter Ruralität? – Das ist ernsthaft noch eine Kombination, zu der Google (bis heute) keine Treffer listet.
(Beitrag zur Blogparade „Smart living im Jahr 2020 – Mehr Lebensqualität für alle?“)


Worum geht es bei intelligenter Urbanität: Dinge schneller, besser, effizienter, ressourcenschonender abwickeln, Probleme vermeiden, letztlich: mehr vom Gleichen machen. Städte entwickeln sich, werden größer, kleiner, stehen zwischen Landflucht und Cityflucht – und noch immer ist der Verkehr nicht dreidimensional in den Luftraum ausgelagert.
Vernetzte Dinge sind vor allem Planungs- und Problemvermeidungshilfen. Autos erkennen, dass zu viele von ihnen auf zu engem Raum sind und empfehlen über ihre Navigationsgeräte andere Ausweichrouten. Regenschirme oder Gummistiefel kennen die Wetterprognose für den Tag und bestehen darauf, mitgenommen zu werden. Es geht um mehr vom Gleichen; schneller, höher weiter; Veränderung spielt keine Rolle.

Das liegt natürlich daran, dass wir Veränderung, das Neue, noch nicht kennen. Sonst wäre es ja nicht neu.

Was fehlt mir an intelligenter Urbanität wie ich sie mir einfach vorstelle?

  • Urbanität ist für mich provinziell. Es gehört für mich zu den erschreckendsten Vorstellungen, alles in unmittelbarer Nähe zu haben: Wohnung, Büro, Supermarkt, bevorzugte Lokale – alles ums Eck? Um um Luftveränderung zu erfahren, ein Wochenendtrip nach Berlin, Barcelona oder London – um dort das Gleiche zu machen? Und einmal im Jahr Abenteuer, wie sie von der Lonely-Planet-Redaktion beschrieben werden, unterhaltsam schon vor dem Erleben nachlesbar?
  • Urbanität ist ein schlechtes Vorbild. Alles greifbar haben zu wollen führt zu einem passiven Leben. Und das verstärkt die Argumente, die auf dem Land zu Reihenhaussiedlungen, Gemeindebausilos und der Zerstörung von Freiraum führen. Besserer Unternehmensstandort, mehr Steuereinnahmen, sind die Argumente von Bürgermeistern. Wir müssen die Herde sammeln, um dem Wolf mehr Beute zu bieten.
  • Was macht der Urbanist am Wochenende? Er steigt in sein geshartes Car und macht einen Ausflug in den nahen Nationalpark. Carsharing-Autos belasten die Umwelt genauso wie Autos in Privatbesitz. Dem Auwaldhirschkäfer ist es egal, wessen Diesel er schnupft. – Bauernmärkte, hat der britische Spectator analysiert, sind ebenfalls in der Regel nicht ökologischer als Supermärkte: Statt die Ware beim nächsten Großhändler abzuliefern, stiften sie Bauern dazu an, selbst zu den lukrativen Standorten zu fahren.

Eine Herausforderung sehe ich, gerade in überschaubaren Gebieten wie Europa, darin, diese Abgrenzungen zwischen Stadt und Land, Mobilität und Erreichbarkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Funktionierende Städte, die die weissen Flecken dazwischen ignorieren, schaffen ihre nächsten Probleme gleich selbst.
Was machen wir mit dem ganzen Platz (ausser Reihenhäuser bauen, Lagerhallen errichten, Industriegelände ansiedeln, Naturlehrpfade errichten (die der Kinder-Zielgruppe herzlich egal sind, aber meist wenigstens großartige Mountainbike-Downhilltracks abgeben) und stillgelegte Bahnofsgebäude in Strickzentren umwandeln)?
Der Umgang mit Freiraum erfordert noch weit mehr intelligente Sorgfalt als das Jonglieren mit vielen Anforderungen auf engem Raum. – Es geht nicht nur ums Problemlösen und -vermeiden, sondern vor allem auch um die Gelegenheit, etwas mal wirklich gut zu machen. Und diese Gelegenheit kann man nicht beliebig oft wiederherstellen…

Was heisst das, als kleine wahllose Beispiele, für Netzwerke und intelligente Technik:

  • Gerade mobile online-Dienste entfalten ihren größten Nutzen dort, wo ich nicht nur eine Couchlänge vom Schreibtisch entfernt bin – was täte ich ohne Satellitenbild am Smartphone im Au-Urwald…?
  • Ich betrachte meine Strassenkreuzung, die sich Dorf nennt, eher als Platz in einem L.A.-ähnlichen Raumgefüge, das von Klosterneuburg bis Bratislava und von Mistelbach bis zum Neusiedlersee reicht, und ich sehe das auch als meinen potentiellen täglichen Bewegungsspielraum. Nur schlecht, dass der Großteil dieser Wege unmöglich ökologisch sinnvoll erledigt werden kann, und wirklich ärgerlich, dass nicht einmal in diesem Grätzel so etwas wie durchgängige Netzverbindung möglich ist.

Stadt allein ist mir zu wenig. Oder, wie Werner Reiter in seinem Beitrag sagt: “Nicht in die Defensive kommen”.

Ist die Temporäre Autonome Zone die Urform des Enterprise 2.0?

Bei weiteren Notizen zur Idee des Enterprise 2.0 Kontinuum musste ich an Hakim Bey denken. Der Querdenker und Orientalist (damals, als man noch nichtmal in den USA dafür ins Gefängnis wanderte) Peter Lamborn Wilson beschrieb mit der Temporären Autonomen Zone ein Konzept vorübergehender Freiheit: Selbst wenn der vollständige Umsturz unwahrscheinlich ist (und auch nichts ändern würde), liegt es doch immer wieder an uns, Entscheidungen zu treffen. – Wer sonst sollte es denn tun? Das gilt nun auch im Unternehmen.


Unternehmen sind oft entscheidungsfreie Räume. Je größer und organisierter Unternehmen sind, desto weniger Entscheidungen können getroffen werden, desto eher müssen Auswahlverfahren auf Abstimmungsprozesse, Empfehlungen und den Ausschluss von Alternativen gestützt werden.
Was Sachlichkeit garantieren soll, wälzt Entscheidungen ab. Je nach Sichtweise bedeutet das Zwang und Verantwortung oder Wahlmöglichkeit und die Chance, Vorgaben zu geben. – Je höher ein Entscheidungsgremium ist, desto weniger entscheidet es selbst; es stützt sich auf Empfehlungen und vorbereitete Unterlagen.
Darin liegt die Chance auf Autonomie. Vorgaben, Analysen, Empfehlungen werden von unten entwickelt – und bestätigt oder nicht – Die Notwendigkeit der Bestätigung ist natürlich ein Schönheitsfehler im Autonomiegedanken, ebenso wie irgendjemand immer autonom ist. Und das heisst letztlich: Wer keinen Gebrauch von seiner Bottom-up-Autonomie macht, spielt damit wieder machtbasierten Entscheidungen in die Hände. Deshalb ist auch die Autonomie im Unternehmen immer nur temporär, und manchmal ist es eben nur der Vorstand der von seiner (temporären) Autonomie Gebraucht macht.

Was heisst das jetzt für die vier Dimensionen im Enterprise 2.0-Kontinuum? Die Infrastruktur-Ecke, in der die Möglichkeiten des eigenen Handelns geschaffen werden, braucht auch eine Organisationskomponente. Es ist der Quadrant zwischen Infrastruktur und Netzwerk, in dem wir unsere Zonen platzieren können. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Sie leben nur, solange wir handeln. Aber auch das ist, nüchtern betrachtet, bei den meisten kollaborativen, sozialen, crowdorientierten 2.0-Aktivitäten der Fall…

Mal wieder ein bisschen Service: Content-Strategie und Analyse

Weil wir zuletzt so oft von Content, Qualität, Zielen und Änderungen gesprochen haben: Die Themen kursieren auch anderswo. Vor allem Kristina Halvorson möchte ich allen, die sich mit digitalen Inhalten beschäftigen ans Herz legen. – Zweiter Punkt: Wie erfahren wir dann, obs funktioniert hat? Abseits von unserer 100% Regel tut sich auch an der Erbsenzählerfront neues.

Kristina Halvorson hat den Begriff Content Strategy geprägt und steht damit für den breiteren Blick auf Inhalte: Content besteht nicht aus Text allein, sondern ebenso aus seinen Medien, Technologien, und den Userbeziehungen. Zum Durchblättern: Halvorsons aktueller Vortrag.

Wem das zu abstrakt ist, der findet aktuell auf Halvorsons Braintraffic-Blog die kompaktere Fassung, die analysiert, was irrtümlich auf Craigslist gepostete Fotos mit Ausschreibungen für Content Management Systeme zu tun haben. Überzeugend. (Und aus der Praxis kann ich sagen: Nicht unrichtig…)

Und wer sagt einem dann, dass die Content-Strategy auch die richtige ist? Social Media Analysetools machen mittlerweilw fast schon Spass. Klout ist Oldschool, Socialbakers sind bei Facebook sehr gut, bei Twitter etwas undurchsichtig, Kurrently ist neu, aber auf den ersten Blick wenig mehr als eine Twitter-Suchmaschine. – t3n hat eine Reihe von Analysetools in brauchbarer Zusammenfassung vorgestellt…
Wer Rankings mit Österreichbezug braucht: ich habe diese Woche meinen Einstand auf socialmediaranking.at gefeiert, nur wenige Plätze hinter Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter (wo der doch, laut Twitter-Profil, “persönlich” twitter…). Das Ranking ist nachvollziehbar und erinnert mich daran, dass ich dringend mal wieder was mit der themashazine-Facebook-Seite machen muss…

“Writing does not have to deal with typing, not even with words. It’s about energy”

In the quest of new ways of creating stories, shaping media and developing meaning in communication, I attended today’s Stagconf (Storytelling and Games Conference). I got what I wanted, but it’s a bit hard to summarize….
stangconfDoodle

  • I’m not a gamer. That’s maybe because I’m not a pretender in any sense. I just do stuff; maybe my life is more playful than a bad role-player game. But I appreciate the game writers’ approach to stories and content a lot. The basic rules of storytelling (start somewhere, have the big picture in mind, care a lot about details, reduce to the best, use strong patterns etc.) have strong parallels to rules for online media I’m discussing here (unfortunately in german.
  • There is no german word for writer. “Texter” is not enough, that’s the guy who is arranging letters. “Autor” is to much – you need an œuvre to be an author, but sometimes you just want a plot (or a story). That’s maybe a symptom of the fact, that the job of a writer hardly exists around here (unless you’re writing books. In my opinion: when you create content (be it text, video, or interaction-infrastructures and -rules), you are a writer. – Or you should be.
  • Discussing storytelling in games and other content-focused approaches make much more sense to me than all those tv/print/online- or, even worse, quality-discussions. I see much more potential to gain some insights into the future of media from here, then fromut it (no, I did not wait until it (what?) was published or broadcasted in some old school media), the topics where quite boring and the discussion quite…well, I’m not going to offend anybody.
  • Game-Writers ask themselves the same question as the creators of online media frequently ask (and they hate it to the same degree): when will we be as rich and cool as TV? Why were TV and movies so fast to invent working business models and to be a renowned art, and we are not? Why are there still so many bad and clueless writers or digital media consultants around? – That’s probably also due to the fact that is very hard to develop criteria of professionalism for the creation of reality. To whom do you compare, who is your benchmark? God?
  • That makes me to the key learning I had to day. It’s not new, but it was expressed very beautifully: Writing does not mean typing. It does not even necessarily have to deal with words. It’s about creating an shaping energy – in yourself, and in others. That’s how David Calvo put it.

To me, that means: It needs the full story to create good content. Don’t focus on words, features, highlights, you have to deliver rather a complete solution. Even if you can’t use it in full extent, even if it’s just a 2 minutes clip you have to deliver or a at first glance short news release. If you don’t, its crap. And that’s what people realize…
That’s another parallel between writing for games and creating content for dialogue-oriented media or environments: People work with your content. They improve it, they unmask it (or you), and they will discover all the weaknesses. – They will do it, just because they can… So you better have an answer. Gamewriters also call that the Munchhausen-Pattern: You have an answer to any objection… 🙂

Speakers and links
Doodles of the talks

Universalgesetze 2: Wir leben in der Innenseite der Kugel


Ein paar Wochen nach dem ersten Universalgesetz der Onlinemedien geht’s jetzt mit ersten Gedanken an die Formulierung des zweiten. Es geht noch immer darum: Was funktioniert an Onlinemedien, und warum?
Das zweite Universalgesetz: Wir leben in der Innenseite der Kugel. Zumindest müssen wir darauf hinarbeiten, wenn es funktionieren soll, wenn Medien in der Lage sein sollen, ihre Stärke auszuspielen.
Leben auf der Innenseite der Kugel ist nun kein schöner Mythos und wurde auch in der jüngeren Zeit immer wieder missbraucht. Ich greife diese Metapher trotzdem auf, weil sie erstens andere Wurzeln hat, zweitens den eigentlichen Knackpunkt sehr schön beschreibt und drittens gleich das manipulativ-mythische schön in den Vordergrund stellt. Sinn, Erfolg, Bedeutung – all das gibt es nur dann, wenn wir zumindest für den konkreten Punkt der Beurteilung die Möglichkeit ausschliessen, dass es da draussen anderes gibt. Könnte sein, das das Universum unendlich ist, dass unser Planet oder unsere Scheibe nur eine von vielen ist, und wir wenig über den Rest wissen? – Das wäre sicher unser eigenen Bedeutung abträglich, wie könnten wir dann noch davon ausgehen, Mittelpunkt der Welt oder Herrscher des Universums zu sein (ohne andere lustige Mythen zu bemühen, etwa Götter oder ähnliches, die uns dazu gemacht hätten)?
Je strikter wir andere(s) verleugnen, desto wichtiger werden wir.
Was bedeutet das für die Frage der Onlinemedien?

  • Ist ein neuer Dienst schon wieder nur einer von vielen, dessen Inhalt und Leistung mit der effektiven Nutzung von ein paar Basistechnologien (Mail, RSS, html,…) locker eingestellt werden kann? Oder eine Leistung, die es bereits – für andere geographische Regionen, demographische Zielgruppen oder professionelle Branchen, schon mehrfach gibt? Die Wiederholung eines Trends, mit der Betonung einer neuen Facette?
    Oder schafft es ein Service, als das einzig reale, für diesen Zweck einzig denkbare Service wahrgenommen zu werden? – Das muss nicht immer mit der realen Marktposition zu tun haben, sondern mit den Geschichten, die den Usern rundherum erzählt werden können.
  • Gilt die Leistung als Problemlösung oder als eine nette Option? – Erfahrungsgemäss dauert es drei bis fünf Jahre, bevor Leistungen, die heute als selbstverständlich und praktisch angesehen werden, auch in diesem Sinn begriffen werden. Dann fällt die Tür ins Schloss, Abläufe werden rund und selbstverständlich, und es gelingt, zumindest eine Zeitlang, nur noch einer kleinen Gruppe von Usern, Alternativen überhaupt für möglich zu halten.
  • Die Einschränkung produziert Sinn und Bedeutung. Verstehen braucht immer eine Rahmen, und wenn keiner da ist, dann setzt es diesen eben: “Ich verstehe das so”. Onlinemedien kaprizieren sich vielleicht weniger auf den Punkt des Verstehens (zumindest scheint mir das eine unterrepräsentierte Dimension: vernetzen, erweitern, teilen, kennenlernen, diskutieren, schaffen und vieles ähnliche sind Begriffe, die wir heute gern mit dem Netz in Verbindung bringen, aber Verstehen? Ich kenne allenfalls den Gedanken der erklärenden Vernetzung (z.B. Begriffe mit ihren Definitionen zu verlinken), aber auch das fällt eher unter den Begriff der Erweiterung. Verstehen ist eine ziemlich unberührte weiteren Dimension. Hatte ich diesen Gedanken schon mal… :)?). Warum machst du das?, ist trotzdem eine häufig gestellte Frage. Irgendwo hat sie mit Sinn und Bedeutung zu tun, sie führt aber schnell zum Nutzen. Nutzen ist die eingeschränkteste Form von Verstehen, die einen ganz klaren Rahmen voraussetzt: Gut und Böse, bringt was oder bringt nichts, gutes oder schlechtes Geschäft. – Fazit: Je runder und dichter die Kugel, desto eher und leichter entsteht ein Gefühl für Sinn und Verständnis.
  • Es ist nichts dahinter. Diese Floskel wird oft abwertend gebraucht, hat sich aber eigentlich – unter Marktgesetzen betrachtet – zum freundlichen Kompliment gemausert. Alles liegt auf der Hand, ist leicht zugänglich und sofort erschlossen, dem User fällt die Orientierung leicht, niemand muss sich Fragen stellen, Belohnung/Unterhaltung folgt auf dem Fuß. Wie wenig “nichts” ist liegt daran, wie das Davor, das auf sein Dahinter verzichtet, gestaltet ist. Weiss es, was es liefern muss?

Soweit ein paar Punkte; was heisst das in brauchbares Wissen übersetzt?
Die erfolgreichsten Onlinemedien sind ihre eigene Welt. Das kann mit Größenordnungen zu tun haben , mit abgedeckten Bedürfnissen und Interessengruppen (das sind Special-Interest-Foren vom Freeriden in Zentraleuropa bis zu Treffpunkte für globale Karrieristen gleichermaßen wie kostenpflichtige Rechtsdatenbanken oder Auskunfteien), oder auch schlicht mit Behauptungen, d.h. mit gutem Marketing im engeren Sinn.
Problemlösung steht weniger im Vordergrund als das Gefühl, mit State of the Art-Methoden sicher und gemeinsam mit anderen, die das Sagen haben könnten, das Richtige zu tun.
Probleme werden online immer noch mit simplem html gelöst, alles andere ist Branding.
Das Erstaunliche dabei ist, dass das kein Nachteil ist, sondern ein Erfolgsgarant. Je weniger Inhalt aufwändig verpackt und mit klingenden Problembezeichnungen und -lösungsanleitungen versehen wird, als desto einfacher und (siehe: “Es ist nichts dahinter”) willkommener ist das Produkt.
Das ist auch ein Grund mehr für die Metapher der Innenseite der Hohlkugel: Auch die Vertreter dieser Schwachsinnstheorie in Real Life haben wenig Überzeugenderes anzuführen, als die Behauptung, bislang keine Gegenbeweise für ihre Theorie gefunden zu haben.
Was funktioniert, funktioniert. Alles andere ist Gotteslästerung und so selbsterklärend und zielführend wie die Inquisition: Wer oft genug das Gleiche sagt, hat irgendwann recht; und für einige Inhalte zu gewissen Zeiten ist dieses irgendwann früher und leichter erreichbar.
Wer durch die Hohlkugel durchschaut, mag recht haben, macht es sich aber schwer. Hinter jedem Kommunikationsmedium liegen immer nur weitere, gleiche, reproduzierbare Abläufe: Es ist nur Gerede, und Gerede ist so alltäglich wie schwierig.
– Ja eines Tages werde ich mir Zeit nehmen, das weiter auszuführen (diese guten Vorsätze gabs schon so oft…). Jetzt lasse ich mal Andrea Vascellari weiterreden. War nett, mit ihm die Bühne am World Blogging Forum zu teilen, und die Digital Brains als Leitmotiv für Onlinemedien sind ein schönes Gegenstück zur herrschenden Hohlkugelklasse.

Odos Blondinenwitze

Odo Marquard lesen ist wie darauf zu warten, ob der lästige Pickel bald verschwindet: Es ist nicht angenehm, sich damit zu beschäftigen, es ist nicht angenehm, das Ding zu berühren, aber man kann es nicht lassen.
Das liegt aber nicht daran, dass Marquard so viele unangenehme Wahrheiten zu sagen hätte. Sondern eher daran, dass er in seiner Fomulierungskunst viele treffende Dinge sagt, die toll wären – wenn er sie nicht so meinen würde, wie er sie meint.

Warum beschäftigt mich das?
Ich bin der Faszination der vielen prallen Worte erlegen (“Zukunft brauch Herkunft”, “Inkompetenzkompensationskompetenz”, “Transzendentalbelletristik” uvm.) und habe gleich mal zwei Marquard-Reclam-Heftchen gelesen. Die Texte sind der Inbegriff des vereinnahmenden, herablassenden “Mir san mir und werden das auch bleiben” (nur eben auf Deutsch), die mit vielen lustigen ansprechenden Worten und postulierten Fakten den Leser in eine ungewollte ausweglose Umarmung zwingen. Aus der zu befreien eine sehr widerborstige Anstrengung erfordert. – Ein philosophischer Blondinenwitz sozusagen, charmant erzählt.
Natürlich ist es naiv, Neues um der Neuigkeit willen zu begrüßen. Skepsis dagegen ist natürlich cooler. Aber wer ist denn schon so naiv?
Natürlich ist nur renitente Kritik lästig und unfruchtbar. Aber muss man sich so blöd stellen?
Und natürlich hat es einen Grund und ist es unleugbar so, dass die Dinge so sind, wie sie sind. Das sagt allerdings nichts über ihren Wert aus, oder darüber, dass es auch für alle gut so ist, wie es ist…

Marquard lesen, ist wie mit einem gut vorbereiteten Politiker oder Industrieboss zu diskutieren: Er wird sich keinen Fehler erlauben, er wird wenig angreifbares sagen, und er wird aus Positionen argumentieren, die zu kritisieren einen Schritt zurück, zur Seite, anderswohin erfordert – was dann den Großteil des Publikums überfordert oder dazu beiträgt, den Kritisierenden dem Publikum zu entfremden – “wovon redet der?”
Gerade deshalb ist Marquards Wortakrobatik, bei der die Dynamik der Gedanken mit der der Worte nicht ganz mithalten kann, eine ausdrückliche Lektüreempfehlung für alle die in bewahrenden, vereinnahmenden, ignorierenden Umgebungen arbeiten. Es ist eine gute Schule, nicht verlockenden Worten und scheinbaren Natürlichkeit zu erliegen, sondern die Leere dahinter zu erkennen.
Allerdings muss man erst mal zu Wort kommen.

“Pourquoi l’humour?” – Marionetten sind vergleichsweise verantwortungsvoll


“Pourquoi l’humour” ist eine massiv unterdokumentierte Szene aus Beigbeders “99 Francs”. “Pourquoi l’humour?”, raunzt der Marketingchef im Meeting (Réunion auf französisch) und gibt sich mit Antworten nicht zufrieden. “Pourquoi l’humour?”, bohrt er immer wieder, nachdem der Ich-Erzählende Kreativdirektor eine humorvolle Version des geforderten Joghurt-Sports präsentiert hat.
Die Frage ist nicht zu beantworten, denn die eigentlich dahinterliegende Frage ist: “Warum sollen die Leute lachen, wenn sie eigentlich kaufen sollen?”

Das sehe ich als schöne Parabel auf das Verhältnis zwischen Werbung und Kommunikation oder zwischen guter und schlechter Werbung. (Schlechte) Werbung formuliert eine Botschaft, die das sagt, was der werbende Teil sagen möchte. Der Anknüpfungspunkt für den beworbenen Teil ist einfach: Kaufen.
Wirkt scheinbar direkt und einfach, hat in seiner schlichten Eindimensionalität aber zwei entscheidende Nachteile: Ein einziges punktuelles Ziel (Kaufen) ist leicht zu verfehlen. Und alle anderen Reaktionen werden, weil nicht vorgesehen, nicht wahrgenommen. Das ist vor allem dann fatal, wenn Kanäle benutzt werden die nicht einfach im Altpapier entsorgt werden können, sondern sich immer wieder in das Kommunikationsleben der Kunden einmischen. – Schaffe ich Anknüpfungspunkte, die mich ins Gespräch bringen? Oder liefere ich Marketingmonolithen, die entweder ein inflationäres “Wow” oder ein achselzuckendes “Eh schön” provozieren?
Es ist nicht nur eine Frage der Kampagnenplanung, ob ich auf Interaktivität setze oder in einem Monolog präzise Botschaften liefere, es ist vorrangig eine Frage der gewählten Inhalte: Je mehr Ballast ich mitbringe, desto kleiner mache ich meinen User, desto weniger Lust hat er mitzureden.
Offene Fäden sind Anknüpfungspunkte. Die Angst, dass damit etwas Falsches passiert, nimmt auch an, man könnte nicht mitreden. – Oder sie bezieht schon mit ein, dass wir nicht mitreden können oder wollen, weil wir dann wieder unseren Marketingchef brauchen. Und der wird sagen: “Ich verstehe diese Frage nicht….”

Informavores


I decided I need to learn more about banking, bought an expensive 500 pages textbook… – and as a result I came up with the plot for a novel that might not be really flattering for that business.
It’s still secret… 😉
Part of it has to deal with speculative business on land, food, agriculture and nature. – What I meant to be a science fiction story, is by far an unpleasant truth already.
Another part of the plot is a not so secret network of bloggers and other independent media producers who work to create the missing links, to rise awareness, to tell stories and thoughts that have not been thought yet. There are many attempts to deliver that, too. But I’m not yet satisfied, I want to see the Informavores, thats how I called this network, in place and in reality.

Of course there are blog-floods, news-streams, and of course there is too much information. But is it ours? – How can it be, that rating agencies tell storys and influence major parts of the civilised world, without having a clue about what’s important for the people they are judging? About whose lives they are deciding?
We need more countervoices who do not counter, who just tell their story, who just let us participate in ordinary, yet so different lives and cultures.
Life in a Day is a nice step in that direction.
I would like to create more. I want the Informavores.
I’m looking for bloggers and other independent media producers with the ambitious target to start with a loose network and maybe build and independent lifestyle-everydayculture-business media brand. Informavores are creatures that live by information, and that have the natural attitude to always go for more. We’re currently setting up the basics for this network – stay alert….