Geht zu mehr Lesungen!

Warum immer nur selber lesen, wenn man Erzähler erzählen lassen kann?
Lesungen und Buchpräsentationen, bei denen es tatsächlich um den Text geht, sind ein schwer unterschätzte Veranstaltungssorten. Stattdessen gibt es Buchpartys, Releasepartys, Diskussionpanels und andere Versuche, der Tatsache auszuweichen, dass es hier um einen Menschen und seine Gedanken in Papierform geht.
Leopold Federmair lieferte unlängst in der Alten Schmiede ein sehr schönes Beispiel dafür, wir mitreißend ein Abend sein kann, an dem ein Mensch einfach nur von seiner Arbeit erzählt.
Und das Buch ist kein besonders mitreißendes Drama, es knüpft an keinen Trendthemen an und es ist nicht mal aufregend betitelt: „Tokyo Fragmente“ beschreibt Beobachtungen von Spaziergängen und Gesprächen in Tokyo.
Federmair schweift ab, auch wenn er von Gesprächen mit Persönlichkeiten wie Kenzaburo Oe erzählt, oder von Elternbesuchen in japanischen Kindergärten, dazu erzählt er von seiner Neugier auf das Leben von Autoren, über die er alles wissen möchte, und die er sich jetzt, als 60jähriger, auch anzusprechen traut.
Er erzählt von Begegnungen mit Roberto Bolano, von der Schwierigkeit, jenseits der 40 noch Sprachen wie Japanisch zu lernen, von eigenen Irrwegen als junger Autor – aber was red ich, ihr sollt ja selbst zu mehr Lesungen gehen. Manchmal ist das sogar besser, als selbst zu lesen.
Michael Hafner

Michael Hafner

Zufallsempfehlungen

Sonst noch neu

Zygmunt Bauman, Wieder allein

Allein sein ist nichts Schlechtes. Man muss nur bereit sein, sich zu bewegen Verantwortung zu übernehmen und für sich selbst zu sprechen – dann kann immer noch so etwas wie Ethik existieren.

LauraWiesboeckInbessererGesellschaft

Laura Wiesböck, In besserer Gesellschaft

Ich kann auch nach der Lektüre nicht sagen, welches Problem Wiesböck in diesem Buch thematisiert. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass ich eine grundlegend andere Auffassung von Problem habe.

Hannah Arendt, Über das Böse

Zählen meine Regeln oder die der anderen? Arendt zeichnet die Verschiebung moralischer Regeln von innen nach außen nach und zeigt, warum Verantwortung, Verhandeln und Verstehen die wichtigsten Eckpfeiler gegen „das Böse“ sind.

Was alles gesagt werden muss

Zwei Bücher von jungen Autorinnen, die manchmal sehr weit ausholen, werfen für mich die Frage auf, welchen gemeinsamen Boden man noch teilt. Und was warum neu beschrieben werden muss.

Die Greta-Grenze

Polarisierung ist eine Art Volkssport – vor allem zu Belustigung von Wahlkämpfern und Kommentatoren. Dabei lohnt es sich vor allem darauf zu achten, wer sich worüber polarisiert erregen kann.