Michael Hafner
Ich mag ja Optimismus …
Steuerreform 2015? – Erst 2017
Zehn Prozent zu viel kassiert
Stiefkind Einkommensteuer
So läuft die Welt
Alles könnte auch anders sein. So weit, so scheinbar banal.
- Wir können Kausalitäten in Frage stellen – war a wirklich der Grund für b und wenn schon – war a dann notwendig?
- Wir können das Müssen in Frage stellen: Wenn Müssen auf Macht beruht, die jemand hat, oder auf Gewohnheiten und Traditionen – dann ist das noch immer weit entfernt von jeder vorgegebenen Ordnung.
- Wir können auch schlicht sagen: Wir wissen eigentlich gar nicht, was gerade los ist. Wir können es nicht einteilen und beurteilen – und deshalb können wir auch keine vernünftigen Angaben zur Notwendigkeit machen. Wir können es mögen oder nicht – aber das ist gerade angesichts komplexer Zustände eher ein Gefühl oder eine Ideologie als eine begründbare Argumentation. Und allen, die jetzt mit vielen Gründen argumentieren möchten, sei gesagt: Auch dabei haben wir es dann schnell mit Werten und Ideologien zu tun …

Was war, wissen wir erst, wenn es vorbei ist. Also eigentlich nie.
(der Text ist Teil von „Weniger als Nichts“ und phasenweise wortgleich als eigenes Buch („Was ist ein Ereignis?“) erschienen). Die Frage ist: Wann ist „wirklich etwas passiert“? Wann ist etwas geschehen, eine Veränderung eingetreten, ein anderer Zustand erreicht, etwas, das sich von einem Dauerzustand laufender Veränderung unterscheidet? Wann ist die eine Entwicklung zu einem Ende gekommen und wann hat die nächste begonnen?

Trieberfüllung: immer weiter machen, bloß nie ankommen.

Klartext: Es geht um ein Kommunismus-Comeback

Batman darf kein Kommunist sein

Macht der Trieb noch Spass, wenn wir ihn verstehen?
Eier aus Stahl und Ziele wie eine Laborratte
Abenteuer mit dem traurigen Affen – 2
Wortlose Abenteuer mit großer Leidenschaft zum Sonntag. Romanzen mit stummen Helden. Sad Monkey Movie Pt. 1.
Sad Monkey Movie – Pt. 1 from Michael Hafner on Vimeo.

Kriegsrhetorik ist soziale Genmanipulation
Krieg vereint nicht wirklich.
Krieg oder Verbrechen?
Nicht mit uns. Mit mir auch nicht.
Die #Leitkultur ist gebaut wie ein Haus: Fundament und Stütze ist das Christentum. Die #Aufklärung bildet die verschiedenen Räume.
— Marcus Franz (@MD_Franz) November 12, 2015
Auch das ist ein Wort Jesu: “Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu senden, sondern das Schwert” Mt 10.34 — Marcus Franz (@MD_Franz) November 16, 2015
dazu fällt mir echt nichts ein. Außer, dass die Antwort sehr treffen ist. pic.twitter.com/a95cYWeaIl
— Michael Hafner (@Michael_Hafner_) November 14, 2015
Heute bin ich von vielen bewusst missverstanden worden.Jede Kontrolle vor Fußballstadien oder Grenzkontrollen sehe ich als Einschränkung. — Reinhold Lopatka (@ReinholdLopatka) November 14, 2015
Kämpfen? Oder doch nur Kriegsrhetorik?
Link-Radikal
Dank der EU-Kommission diskutieren wir also wieder mal, ob und was man verlinken darf. Der Kern: Verleger wollen zwar schon in (Google-)Suchergebnissen präsent sein, aber sie sind Google den Erfolg neidisch und würden gerne mitschneiden.
Ritchie Pettauer hat das Wesentliche dazu beschrieben, aber mir fallen da noch ein paar Ideen für neue Geschäftsmodelle auf dieser Basis ein:
- Buchungsplattformen sollen Hotels und Restaurant bezahlen, um sie auf ihre Plattformen zu nehmen.
- Ebay soll Anbieter bezahlen – ohne Produkte gäbs schliesslich keinen Traffic auf der Seite.
- iTunes müsste ebenso zur Kasse gebeten werden wie Google selbst, denn ohne User hätten auch bezahlte Suchtreffer wenig Marktpotenzial.
- Und Zeitungen müssten dann auch in ihre Taschen greifen: Einerseits, um Leser zu bezahlen, ohne die es keine Anzeigen gäbe, andererseits, um die Protagonisten ihrer Stories zu entschädigen, ohne die es eben keine Stories gäbe.
So weit hergeholt ist das gar nicht. Von Medien finanzierte Politiker würden vielleicht geringfügig mehr Spektakel machen – fraglich allerdings, ob man den Unterschied merken würde.
Und die Geschäftsmodelle erinnern mich an die Urzeiten der Contentsyndication. Als wir damals, als die Telekom Austria noch Jet2Web hiess und Telekomunternehmen die besseren Medienunternehmen sein wollten, redaktionelle Portale aufgebaut haben, wurden für Unmengen an Geld Inhalte gekauft. Nicht etwa, um Redaktionen damit zu finanzieren und spannende eigene Inhalte zu erstellen, sondern um längst veröffentlichte Agentur- und Zeitungsmeldungen zu kaufen. Das waren goldene Zeiten für Zeitungen: Sie haben einfach ihren Job gemacht und doppelt dafür kassiert. Und sobald User die Adresszeile ihres Browsers bedienen konnten, waren sie dann auch weg von den Telekom-Portalen.
Damals wurde im übrigen auch nicht verlinkt – denn es ging ja darum, User möglichst lang auf den eigenen Seiten zu halten.
Und heute?
Heute funktioniert das Modell eigentlich. Jeder macht sein eigenes Ding mit seinem eigenen Geschäftsmodell. User entscheiden, was sie nutzen möchten. Gewohnheit, Faulheit und Konzentrationstendenzen verzerren den Markt ein wenig.
Allerdings gibt es auch noch andere als die EU-Kommission, die diesen Zustand ankreiden. Jaron Lanier beschäftigt sich in seinen Büchern “You are not a Gadget” und “Who owns the future?” schon länger mit Ideen für Gegenentwürfe zu Gratis-Geschäftsmodellen. Sie spielen den Ball an die User zurück. Denn entscheidend ist letztlich, wer wofür zu zahlen bereit ist. Ein Punkt, den auch Joachim Hirsch in seinem Beitrag zum Elevate-Sammelband (“Ein Handbuch für morgen”) macht: Gesellschaft und Wirtschaft werden “dadurch verändert, dass Menschen anders leben, anders arbeiten, andere Vorstellungen davon entwickeln, was ein gutes und würdiges Leben ist.” – Und dabei hilft uns eine Linksteuer vielleicht sogar: Wer nicht verlinkt werden will, kann sich selbst aus dem Spiel nehmen. Dann bleibt mehr für Blogger und andere Publisher, die sich über Traffic freuen und ihn zu nützen wissen.
Der Schein trügt – Wieviel Korruption ist notwendig?
Eindimensionalität verdirbt die Phantasie – und die Ehrlichkeit. Colin Crouch stellte am Dienstag in der Diskussion mit Robert Misik sein aktuelles Buch “Die bezifferte Welt. Wie die Logik der Finanzmärkte das Wissen bedroht” vor.
Die Kernthese lässt sich am besten anhand eines von Crouch schon vor einem Jahr beschriebenen Beispiels zusammenfassen: Was machen wir, wenn wir ein vernünftiges, also schadstoffarmes Auto kaufen wollen? Wir können keine eigenen Tests durchführen, also sind wir auf Prüfberichte und Herstellerangaben angewiesen. Uns steht das Wissen nicht originär zu Verfügung, wir müssen auf das Wissen anderer vertrauen.
Eindimensionale Ziele fördern Ignoranz
Wenn sich dann ein grosser Schwindel bei Abgaswerten (wie bei VW) herausstellt, wird gleich auf mehreren Ebenen deutlich, wie eindimensionale finanzielle Ziele Wissen bedrohen: Falsche Abgaswerte enthalten den Kunden Wissen vor und verzerren dadurch den Markt. Aus der internen Perspektive betrachtet muss jemand im Unternehmen gewusst haben, dass die Werte falsch sind und dass das Auffliegen des Schwindels dramatische finanzielle Kinsequenzen nach sich ziehen werde – auch hier wurde besseres Wissen und der kurzfristigen finanziellen Ziele willen ignoriert.
Eindimensionale Ziele sind leicht zu beobachten und zu messen, es ist leicht, Handlungen nach ihnen auszurichten. Am eindimensionalsten und auf den ersten Blick auch am eindeutigsten sind finanzielle Ziele. Crouch führt dazu Beispiele aus dem öffentlichen Dienst an: Seit hier messbare Ziele und Prämien Einzug gehalten haben, geht der Nonprofit-Gedanke verloren und anstelle der Problemlösung tritt Effizienz als oberstes Prinzip. Was manchmal schon schräge Blüten treibt: In England, auch eines von Crouchs Beispielen, vermuteten Gesundheitsbehörden eine zu niedrige Anzahl von Demenz-Diagnosen. Betroffene bekommen so keine rechtzeitige Therapie. Die Lösung war ein Kopfgeld für Ärzte: Jede Demenz-Diagnose wurde mit einer Geldprämie belohnt. Für das Vertrauen in den Arzt nicht gerade förderlich …
Crouch zeigt Entwicklungen und Probleme auf; Lösungen und Ratschläge verkneift er sich.
Geht es überhaupt ohne Korruption?
Jetzt ist gegen Effizienz grundsätzlich nichts einzuwenden. Ich denke auch, dass die Gut/Böse-Gegenüberstellung von profitgetriebener Privatwirtschaft und dem unabhängigen, der allgemeinen Entwicklung verschriebenen öffentlichen Bereich nicht in Crouchs Sinn ist.
Politiker brauchen nicht den Kontakt zu Unternehmen, um korrumpierbar zu sein – das schafft der Drang zum Machterhalt oft schon alleine. Und Regulierungsbehörden müssen nicht korrupt sein, um dumme, besserem Wissen widersprechende Regulierungen zu erlassen – sie sind schließlich selbst keine praktizierenden Experten, sondern nur Beobachter.
Crouch verwendet den Begriff “Korruption” sehr häufig und meint damit den nicht mehr offenen, vorbehaltlosen Umgang mit Wissen. Das erinnert an Objektivitäts- und Faktentreue-Diskussion im Journalismus und wirft damit auch die Frage auf: Gibt es überhaupt so etwas wie Nicht-Korruption?
Finanzziele können sehr leicht korrumpieren. Das muss noch gar nichts mit Bestechlichkeit zu tun haben. Wer sich auf ein – finanzielles – Ziel ausrichtet, hat einen starken Anreiz andere, durchaus auch vernünftige Ziele außer Acht zu lassen. Das gilt für aufgrund ihrer Zielvereinbarungen gegeneinander arbeitende Abteilungen ein und desselben Unternehmens ebenso wie für Effizienzvorgaben in der Gesundheitsversorgung oder für Controller, die zu Leitern von Innovationsabteilungen bestellt werden.
Politische Ziele sind mehrdimensionaler, orientieren sich aber auch nicht gerade an Wissen. Sie orientieren sich an Werten und ziehen damit einen ganzen Rattenschwanz nach sich, der letztlich dann doch auch vereinfacht werden muss. Denken wir nur an Pensionsdebatten: Was heissen Generationenfairness und Rechtssicherheit heute (verdiente, sichere und steigende Pensionen), was in 20 Jahren (ein nicht finanzierbares Loch von 30 statt 8 Miliarden jährlich)?
Zudem scheint Korruption unvermeidbar. Jede Entscheidung schliesst etwas aus, das dann nicht mehr wichtig ist. (Kurzer Exkurs: Der erste mit dieser Idee war Spinoza, der damit schon auf die Beschränktheit von Schlauheit aufmerksam machte. Und zuletzt kam Lacan mit seiner Meinung einfache Feststellungen wie “Du bist John” seien kein Zeugnis von Identität sondern von Gespaltenheit. Wenn das Ergebnis dieser Feststellung auf der Hand läge, bräuchte es sie nicht, aber wir machen uns die Welt eben, wie sie uns gefällt. – Ja, Pippi Langstrumpf war da klarer auf dem Punkt, wie Chefredakteure, die Kommentare ihrer Juniorredakteure twittern, heute sagen würden.)
Das versteckte Gespenst in dieser Diskussion ist der Finanzzahlen über alles stellende Neoliberalismus, den es es in der Praxis ebensowenig in seiner reinen Form gibt wie den perfekten Markt.
Wieviel Korruption ist notwendig?
Der (Geld)Schein trügt also. Aus einer anderen liberalen und faktenorientierten Sicht drängt sich die Frage auf: Wieviel Korruption ist genug? Oder wieviel ist ok? Gibt es gute und schlechte Korruption?
Gute Korruption klingt auf den ersten Blick etwas komisch. Auf den zweiten Blick ist das der Stoff, aus dem Helden gemacht sind. – “Narcos” ist eine Netflix-Serie, die den Aufstieg und Fall des kolumbianischen Drogenbosses Pablo Escobar beschreibt. In einer Szene wünscht sich Horacio Carillo, sein behördlicher Gegenspieler, “unkorrumpierbare Männer” für seine Einsatztruppe. Und man denkt sich: Echt jetzt? Escobar soll Attentate auf Präsidentschaftskandidaten organisiert haben, Kopfgelder auf Polizisten ausgesetzt haben und hatte mit einem Vermögen von ein paar Milliarden Dollar das ganze Land im Griff – dieser Situation soll sich jemand aus edlen unkorrumpierten Beweggründen entgegenstellen, und das nicht hinter Bodyguards am Schreibtisch, sondern auf der Strasse mit der Waffe in der Hand? Anscheinend. In einer kleinen Nebenszene zeigt sich dann aber: Die Unkorrumpierbaren sind zutiefst korrumpierte, gewaltbereite und von Hass bewegte Leute, die persönliche (und sehr eindimensionale) Ziele verfolgen und in erster Linie ermordete Familienangehörige rächen wollen.
Vielleicht nicht gerade “gut” und moralisch astrein, aber auch nicht gerade verwerflich …
Ungleichheit ist schlecht für den Markt
Wenn Korruption schon praktisch unvermeidbar scheint, dann wäre es nett, ihr Ausmaß zu kennen. Dem stehen, um wieder zur Crouch-Diskussion zurückzukehren, im wesentlichen zwei Dinge im Weg: Das eine ist Komplexität in Form von angeblich komplexen Produkten. Finanzprodukte sind ja angeblich komplex. Meiner Meinung nach sind sie sehr einfach: Sie sind unvorhersehbar, und das Risiko, lieber Kunde, trägst du. Komplexität dient dazu, Unvorhersehbarkeiten oder Schwindel (wie bei den Abgaswerten) zu verschleiern. Und das verzerrt den Markt, weil die relevanten Informationen nicht auf dem Tisch liegen – Wissen wird ignoriert.
Das zweite Hindernis sieht Crouch in wachsender ökonomischer Ungleichheit. Diese kann aus in wenig Wettbewerb (sein Beispiel: Ratingagenturen), marktbeherrschenden Positionen oder ungleichen Ausgangspositionen bei der Durchsetzung von Interessen entstehen. Ungleichheit führt dann dazu, dass keine rationalen Entscheidungen getroffen werden können, weil es keine Alternativen gibt, weil nicht alle Informationen auf dem Tisch liegen und weil eben Wissen von der Finanzlogik bedroht wird.
Insofern bietet Crouch dann eben doch eine Lösungsperspektive für das Problem. Mit allgemeiner klareren und besser verteilten Machtverhältnissen kann dann auch Wissen wieder Macht werden.

